Im letzten Herbst habe ich an der Shopping-Trend-Tour von Marcel Stoffel, Gründer und CEO des Swiss Council of Shopping Places, teilgenommen. Diese fand nicht ohne Grund in New York City statt: Die Millionen-Metropole setzt nicht nur Trends in der Mode und der Kunst, sondern auch im Bereich Retail, Gastronomie und Hotellerie. NYC ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, kombiniert mit wirtschaftlicher Stärke und kreativer Energie. Die 8 Millionen Einwohner:innen pflegen einen dynamischen Lebensstil, die Stadt verbindet High End-Luxus mit Subkultur und beherbergt eine grosse Anzahl an namhaften Veranstaltungen und Medienhäuser. Wenn sich in NYC ein Trend durchsetzt, dann kann man davon ausgehen, dass dieser auch den Weg über den grossen Teich schafft. Die Trends im Retail-Bereich lassen sich in der Regel auf die Hospitality übertragen: Somit bot die Shopping Trend Tour für mich als Hospitality-Experten einen wichtigen Einblick in die Trends von morgen.
Die Shopping-Trend-Tour war sehr inspirierend: Interessante Teilnehmer:innen, spannende Gespräche – und das Ganze gespickt mit einem Blick hinter die Kulissen. Marcel Stoffel hat, wie immer, auch die Verantwortlichen der Venues für eine Führung und einen Austausch organisieren können. Es ist faszinierend, wie zielstrebig, kompromisslos und strategisch die Unternehmensverantwortlichen ihre Ziele formulieren und die Umsetzung dieser Ziele angehen.
New York City setzt Trends – auch in der Gastronomie und der Hotellerie
Die Hudson Yards, ein Stadtentwicklungsprojekt auf der Westseite von Manhattan
Westfield World Trade Center – ein Stop auf der Shopping Trend Tour durch NYC
In New York City hat sich der erlebnisorientierte Handel bereits durchgesetzt. Mixed-Used-Destinationen, welche Einkauf mit Freizeit und sogar mit Wellness & Gesundheit verbinden, florieren. Wie zum Beispiel die Hudson Yards: Ein modernes, riesiges Stadtentwicklungsprojekt auf der Westseite von Manhattan. Es gilt als eines der grössten und teuersten privaten Immobilienprojekte in der Geschichte der USA. Das Projekt wurde auf zuvor ungenutzten Bahngleisen entlang des Hudson River erbaut und hat sich zu einem ikonischen Viertel entwickelt, das Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur und Freizeit vereint. Der Slogan «Live, Shop, Work & Dine in New York» ist also Programm. Ganz besonders begeistert hat mich das Bond Street Restaurant von Jonathan Morr, in welchem Asia Fusion perfekt inszeniert wird. Das i-Tüpfelchen: Ein Schwatz mit dem Co-Owner von Nobu.
Auch haben wir das Westfield World Trade Center besucht und dort eine belebende Mischung aus tollen Retail-Formaten und neuen, kreativen Brands gefunden. Auch ein wichtiger Trend: Der Mix aus Magnet-Brands und neuen Start-Ups. Besonders auffallend ist der hohe Stellenwert der Gastronomie im Handel. Ein tolles Beispiel für aussergewöhnliche Systemgastronomie ist «Eataly». Authentisches italienisches Essen kombiniert mit einem Shop-Konzept, dass italienischen Spezialitäten zum Kaufen anbietet. Und einen Blick hinter die Kulissen der Frischpasta-Produktion gewährt – für das ganz besondere Erlebnis.
Eataly im Westfield World Trade Center
Einblick in die Frischpasta-Produktion bei Eataly
Etaly kombiniert Systemgastronomie mit Erlebnis
Die Gastronomie ist ein Top-Argument, um die Verweildauer der Kundschaft zu erhöhen.
Marcel Stoffel erklärt in seinem Megatrend-Report für die Konsumwelt, dass sich auch die Schweizer Shopping- und Retail-Destinationen den Trends aus der US-Metropole anpassen müssen. Seine Erfolgsformel lautet: Anziehungskraft, Aufenthaltsqualität / Aufenthaltsdauer und Anpassungsfähigkeit. Die Anziehungskraft für die Konsumenten und Konsumentinnen wird durch ein vielfältiges Angebot von Dienstleistungen erhöht: Medizinische Angebote, Coworking-Möglichkeiten und Wellbeing-Locations vermischen sich mit der Gastronomie und Unterhaltung. Und all das in einer einladenden Atmosphäre, die zum Verweilen und Geld ausgeben animiert. Räume müssen sich laut Marcel Stoffel «from spaces to places» entwickeln. Stichwort Erlebnisorientierter Handel: Auch die Kaffee-Kette Starbucks schafft es, mit neuen Konzepten zu begeistern und mit Regeln zu brechen. Mit Starbucks Reserve® in der New York Roastary leistet sich die Kette ein weiteres Flagship und begeistert Kaffee-Liebhaber:innen mit einer grossartigen Atmosphäre. Inklusive Live-Rösterei, Bar und Espresso-Martinis.
Die Gastronomie ist ein Top-Argument, um die Verweildauer der Shopping-Kundschaft zu erhöhen. Wer die Einkaufslocation wegen Hunger (oder nicht-überzeugendem Gastro-Angebot) verlässt, der kommt erfahrungsgemäss nicht zurück. Ein weiteres Beispiel von unserer Trend Tour: Im Kleiderladen Tommy Bahama befindet sich auf der oberen Etage ein Restaurant – «No need to leave». Und schliesslich wird die Anpassungsfähigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor: Unternehmen müssen agil bleiben und sich an Trends wie E-Commerce, veränderte Flächennutzung und nachhaltige Konzepte anpassen. Ein Beispiel, das mich begeistert: Das Tin Building by Jean-Georges. Ein kulinarisches Erlebnis mit 12 Restaurants, einem Food Markt mit frischen Produkten, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten vom Bauernhof, einem Blumenladen und vielem mehr. Und das Ganze kombiniert mit «Pick Up & Delivery»-Möglichkeiten für alle Angebote. Ebenfalls aussergewöhnlich ist das Möbelgeschäft RH New York im Meatpacking District, dass mit einem Rooftop und kulinarischen Leckerbissen begeistert.
Marcel Stoffel hat die Megatrends für die Konsumwelt sehr treffend zusammengefasst (hier geht es zum Blog-Beitrag inkl. PDF von Marcel Stoffel):
- Digitalisierung und Technologie
- Erlebnisorientierter Handel
- Nachhaltigkeit und ethischer Konsum
- Personalisierung
- Lokalisierung und Regionalität
- Gesundheit und Wellbeing
- Urbanisierung und Schnelligkeit
- Demografischer Wandel
- Kreislaufwirtschaft
- Soziale Trends und Hyper-Konnektivität
Das Restaurant in der oberen Etage des Kleiderladens Tommy Bahama
Tin Building by Jean-Georges
Starbucks Reserve® New York Roastary – Erlebnis-Gastronomie vom Feinsten!
Rooftop auf dem Möbelgeschäft RH in New York
Diese Megatrends sind nicht nur gültig für den Detailhandel, sie können auch 1:1 auf die Hospitality übertragen werden. Wie wir am Beispiel New York sehr schön sehen können, haben sich die Trends bereits durchgesetzt – nun wird es an der Zeit, diese auch in der Schweiz zu etablieren.
Wenn du dich für eine massgeschneiderte Gastro-Trend-Tour in NYC interessierst, kannst du dich gerne bei mir melden (peter.herzog@hc-ag.ch). Mit ca. 6 Monaten Vorlaufzeit und mindestens 8 Teilnehmenden lässt sich ein tolles Angebot zusammenstellen, inklusive Gespräche/Führungen mit den Ownern oder dem Management und komfortablen (und trendigen) Hotels. Auch eine Kombitour aus Retail und Gastro ist möglich – in Zusammenarbeit mit Marcel Stoffel.